Die Rose

Nur widerwillig löste ich mich aus dem Schatten des Cafés, in dem ich die letzte Stunde gedöst hatte. Doch meine Schuld war bezahlt, und der Kellner warf mir schon stirngerunzelte Blicke zu, da ich seiner Meinung nach zu erwartenden Gästen den Platz blockierte.

So unrecht mochte der Mann gar nicht haben. Lissabon glühte an diesem Augusttag, als wollte die Sonne die steinernen Fassaden sprengen, aber die Innenstadt war von Touristen überrannt, die natürlich eine Erfrischung suchten. Auch ich war zu faul gewesen, an den Atlantik hinauszufahren und mich in Cascais an den Strand zu legen. Statt dessen hatte ich in der Baixa, der Innenstadt, in diversen Cafés Kühle gesucht, sie nicht immer gefunden, und den hübschen Mädchen hinterhergeträumt.

Nun, da die Sonne ihren Zenit überschritten hatte und das Leben der Stadt in der Mittagshitze verstummte, beschloß ich, mich in eine abgelegenere Gegend der Stadt zu begeben, wo mich etwas mehr Ruhe als im Touristenkessel erwartete, und ich begann, die steilen Gassen zur Alfama, einer der beiden Altstädte, hinaufzusteigen. Dort wollte ich in einer der verwinkelten Seitenstraßen eine stille Bar finden, in der ich der einzige Gast wäre und den kühlen Abend erwarten könnte. Vielleicht würde ich ja sogar die Ruhe finden, etwas zu schreiben.

Schon nach den ersten Schritten, die mich die steilen Gassen hinauftrugen, bereute ich meinen Entschluß. Nach kürzester Zeit klebte mein weißes Hemd am Körper, und ich spürte jeden einzelnen Tropfen Schweiß, der an meinen Schenkeln hinabperlte. Auch die Hose, aus so leichtem Leinen sie war, entwickelte eine schier unerträgliche Innentemperatur. Einige alte Frauen begegneten mir, sie waren in eine eigene Welt aus Stoffen gehüllt, die sie vor der Hitze besser schützten. Mitleidig lächelten sie mir armen Irren zu, der ich in meiner dünnen Kleidung vor Nässe nur so troff.

Ich mußte einige Zeit so klettern, die Gassen der Alfama haben mitunter fast eine Steigung von 45°, eine Zahl, die ungefähr der Temperatur entsprechen mochte. Dafür bot sich dem Betrachter, der die Tortur überlebte, ein atemberaubender Anblick, wenn man eine der Terrassen erreicht hatte und über das abgestufte Dächermeer zum Tejo, der grün glänzte, den Blick schweifen ließ.

Mit Bedacht wählte ich die engsten Gassen aus, in denen die Hitze nur so waberte, um an die geschütztesten Plätze zu gelangen. Und wirklich wurde meine Geduld belohnt, eine Sackgasse, in der ich die Arme nicht auszustrecken vermochte und in der meine Schritte hallten, endete in einem Torbogen, vor dem zwei Tischchen mit wackligen Stühlen standen.

Ich stand zunächst eine kleine Weile zweifelnd vor einem der beiden Tische, denn so eingesperrt in der Hitze wollte ich auch nicht sitzen, und außerdem wußte ich nicht, ob hier überhaupt eine Bedienung stattfände. Nach Minuten hörte ich schlurfende Schritte, und ein kleines, altes Männchen mit funkelnden schwarzen Augen erschien aus dem Dunkel. Er blickte mich fragend an, sprach aber kein Wort, da er den Touristen erkannt hatte. Ich zögerte kurz, krächzte dann aber, der trockenen Kehle wegen, meine Bestellung.

„Um Galão, faz favor.“ – „einen Milchkaffee, bitte.“ Immer wieder ist es erstaunlich, wie sehr ein Portugiese aufblüht, wenn er seine Sprache vernimmt. Ein breites Lächeln ließ alle Falten in seinem Gesicht spielen, und er fiel in einem Schwall von Worten über mich her, von denen ich nicht ein einziges verstand. Er mußte mein fragendes Gesicht richtig gedeutet haben, denn er hielt grinsend inne und deutete eine Bewegung mit seinem Unterarm über der Stirn an. Ich verstand. Diese Hitze. Als Antwort breitete ich meine Arme aus, um mein schweißnasses Hemd zu präsentieren. Wieder losplappernd winkte er mich in den Torbogen und wies auf die helle Öffnung der anderen Seite.

Auf einen kleinen Stubs seinerseits gegen meine Schulter ging ich vor – - und hielt den Atem an. Ein kleiner Garten mit Zitronenbäumen und ungeheuer bunter Blumenpracht entfaltete sich vor mir. Die Luft verstrahlte nicht länger die Glut eines Backofens, sondern war angenehm durchfrischt, es duftete nach vielerlei Blüten. Ungefähr zehn Tischchen standen im Schatten der Bäume und deuteten die gastronomische Nutzung an, ich vermutete, daß hier am Abend sicher der wahre Fado, der schwermütige Volksgesang, ertönen würde. Das schönste an diesem Garten war allerdings seine Aussicht. Er war auf einer kleinen Terrasse angelegt, an den Seiten von hohen, weißen Mauern gesäumt, aber nach vorne hin öffnete sich über die Brüstung ein bezaubernder Blick über die alten Häuschen, über das Pantheon hinweg zum Tejo. Seine Stimme riß mich aus dem Staunen. Mit erstaunlicher Schnelle hatte er das Getränk zubereitet, nun hielt er das Glas, welches seinen Henkel am Fuß hatte, auf einem Tellerchen und blickte fragend in die Runde, damit die Suche nach meinem Platz andeutend. Ich dagegen wies lächelnd in die Weite und ging ihm entgegen, um das Glas zu nehmen. Er verstand, und sicher sah er es nicht zum ersten Mal, daß ein neuer Besucher sich zunächst von der Aussicht nicht lösen wollte. Während er sich in sein Haus zurückzog, schritt ich näher an die Brüstung, lehnte mich an und schaute einfach nur.

Ich wanderte mit meinen Blicken am Tejo entlang, suchte den schmalen Grat der neuen Brücke, die die breite Flußmündung überspannt, weidete mich am strahlenden Weiß des Pantheons und suchte zwischen den Dächern der Alfama die kleinen Gärten, die man hier und da erspähen konnte. Eben so ein Garten, auf einer kleinen Terrasse hinter dem dazugehörigen Haus, erstreckte sich genau zu meinen Füßen, zwischen der Stützmauer meiner Terrasse und dem nächsten Häuschen, welches etwas tiefer lag, so daß man über eine schmale Treppe zu dessen Hinterpforte hinabsteigen mußte. Auch dieser Garten blühte in allen Farben, auch hier dufteten die Zitronenbäume. Und dazwischen lag sie.

Auf einem Liegestuhl hatte es sich eine junge Frau bequem gemacht. Sie lag etwas schräg mit dem Rücken zu mir und blickte ebenso zum Fluß hinunter, während ich ihren Körper betrachtete. Sie mochte etwa dreißig sein, eine zu voller Pracht erblühte Frau, deren Schönheit ich fest vermutete, auch wenn mir ihr Gesicht unter der Pracht ihrer schwarzen Locken verborgen blieb. Sie hatte ein weißes Kleid an, welches an der Vorderseite durchgehend zu knöpfen war, und nur einer dieser Knöpfe war noch geschlossen. Auf ihrem Bauchnabel hielt er den dünnen Stoff zusammen, während darüber und darunter ihre weiße Haut aus dem aufgeschlagenen Kleid blinkte. Sowohl ihre üppigen Brüste als auch die weiche Haut ihrer Schenkel leuchteten in der Sonne, und auf ihrer ungemein fleischigen Scham kräuselte sich nur schwach ein seidiger Flaum.

Ich lehnte mich über die Brüstung und genoß den Anblick, ohne irgendwelche falschen Schamgefühle zu entwickeln. Sie war sehr üppig gebaut, doch hätte man ihr Unrecht getan, wenn man sie dick genannt hätte, auch kräftig oder mollig wären die falschen Worte gewesen. Trotzdem alles an ihr, ihre Beine, ihr Po, den ich ansatzweise sehen konnte, ihr Bauch, ihre Arme und ihre sehr weich wirkenden Brüste, sehr rund war, wirkte sie leicht und grazil, anmutig. Sie summte vor sich hin.

In ihrer rechten Hand hielt sie eine rote Rose an langem Stiel, deren Blüte kurz davor war, aufzubrechen. Mit dieser Rose strich sie über ihren Leib. Mal tupfte sie mit der Blüte kurz auf die Haut, mal zog sie diese in langen Bahnen über ihr Fleisch, hin und wieder konnte ich sehen, wie sie sich damit vergnügte, eine Dorne über die seidige Oberfläche kratzen zu lassen. Mit unendlicher Geduld zog sie den roten Kopf der Blume das Tal ihrer zusammengepreßten Schenkel hinauf, ruckte diesen aber unvermutet wieder hinab, wenn es ihr zu schnell zu gehen schien. Dann war sie kurz unterhalb ihrer Lotusblüte angekommen und schlug die Rose in schnellem Takt gegen die Schenkel, wobei sich diese Stück für Stück öffneten, so daß die Rosenblüte immer tiefer aufkam. Oh, was hätte ich dafür gegeben, jetzt vor ihr sitzen zu dürfen, die Pforte des aufquellenden Taues zu bewundern. Nachdem sie die Beine leicht gespreizt hatte, umrundete sie mit der Blume ihren zarten Flaum, langsam, immer wieder, bis sie schneller atmete, bis sich ihre Brüste sichtlich hoben und senkten.

Dann fuhr sie ihren Bauch hinauf, spielte kurz an den Rippenbögen, um sich dann ausgiebig die Unterseiten der wogenden Brüste zu streicheln. Einen Arm hob sie ab und zu über den Kopf, um die Achselhöhle zu erreichen, senkte diesen wieder, um dann unvermittelt in ihr eigenes Fleisch zu greifen, eine Brust in die Höhe zu pressen und mit dem Blütenkopf ihre Knospen zu reiben, bis ein kleines Stöhnen sich ihr entrang. Dann nahm sie die Blüte und setzte sie so an, daß ihre harte Knospe in den noch jungfräulichen Blütenkopf drang, und drehte diesen wie einen Quirl hin und her. Wenn es sie dann durchschauderte, schloß sie ihre Schenkel, und das Spiel begann von neuem.

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich gestanden hatte, der Galão war schon lau, es mochte vielleicht eine halbe Stunde sein. Meine zuerst schmerzhaft harte Erregung war längst einem halbsteifen Zustand gewichen, der recht angenehm war, und ich beobachtete einfach nur ihre Schönheit, ohne noch die einzelnen Bewegungen genau wahrzunehmen. So hätte ich es fast nicht bemerkt, daß ihre Bewegungen fahriger wurden und daß sie sich gar nicht mehr von ihren Schenkeln trennen mochte. Ein Schweißtropfen auf ihren Beinen, in dem sich das Sonnenlicht brach, riß mich aus meinem verschwommenen Blick, und ich sah wohl, daß sich ihr Zustand verschönerte. Sie öffnete den letzten Knopf, ihr Kleid öffnete sich nun ganz und gab ihren Prachtkörper frei. Immer deutlicher tupfte und klopfte sie mit der Blüte gegen ihren Venushügel, und auf einmal riß sie die Schenkel auseinander und begann, die Rose an ihren Schamlippen auf und ab zu reiben, immer wieder unterbrochen von einem zunächst noch zögerlichen, dann heftiger werdenden Schlagen mit der zarten Rose gegen ihren sicherlich genauso zarten und inzwischen bestimmt hart geschwollenem Kitzler. Auch meine Erregung pochte gegen die Brüstung, während ich mir vorstellte, wie die Rose in ihrem nassen Fleische wühlte. Fast spürte ich in mir den Kitzel und das Brennen aufsteigen, welches ich in ihr vermutete, und noch bevor sie mit der freien Hand, mit der sie bis dahin ihren Bauch gestreichelt hatte, nach oben griff, strich ich ganz unbewußt über meine Brust.

Auch sie griff nach ihrem Busen, und aus meiner Höhe herab konnte ich sehen, wie ihre in das üppige Fleisch krallenden Finger rote Striemen hinterließen. Immer näher walkte sie ihre vollen Brüste, bis sie sanft um die Warzenhöfe strich, dann kratzte, schließlich die aufrechten Knospen nahm und drehte und zog. Dieses mußte der Auslöser gewesen sein, sie warf den Kopf in den Nacken, und ihre rechte Hand hielt die Rose wie einen Dolch, den sie immer wieder gegen ihre brennende Pforte stieß.

Ihr Gesicht war in höchster Lust angespannt, ihre Augen geschlossen, die feinen Brauen gerunzelt. Mit einer unglaublich langen und spitzen Zunge stieß sie immer wieder über ihre volle Unterlippe hinweg. In dieser Sekunde hätte ich keinen Schwur geleistet, jemals eine schönere Frau gesehen zu haben. Sie war wunderschön, anmutig und liebreizend, und ihre Lust adelte sie dazu. Schließlich biß sie sich auf die Lippe, ihr Becken begann zu rucken, und während sie im Stakkato stieß, konnte man sehen, wie ihr Orgasmus den vollen Leib durchschauerte, immer wieder erschauern ließ. Lange Augenblicke wand sie sich so, warf dann den Kopf hin und her, bog ihn, so weit es ging, in den Nacken und riß den Mund auf, um einen stummen Schrei dem blauen Himmel entgegen zu senden. Dann fiel sie zusammen.

Mir stand der Schweiß auf der Stirn, und meine Kehle war wie ausgetrocknet, als hätte ich selbst die ganze Lust erarbeitet. Schnell trank ich meinen Kaffee aus. In meiner Hose pochte es, und ein Blick verriet mir, daß Lusttropfen das weiße Leinen getränkt hatten. Da hörte ich hinter mir Schritte, und mein Herz machte so einen erschreckten Sprung, daß mein Schwanz sofort in sich zusammenfiel. Ich drehte mich um. Der alte Mann kam auf mich zu, blieb aber stehen, als ich mich ihm zugewandt hatte. Er mußte meine Erschöpfung gesehen haben, denn er deutete ähnlich wie vorhin die quälende Hitze an. Ich nickte, stellte mein Glas auf einem nahen Tisch ab und bestellte ein neues. Kaum war er verschwunden, schaute ich in den Garten hinab. Sie war weg.


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Die Rose (von Laurent Chevalier)
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