Es war so kalt in den letzten Wochen, wir waren den Schnee so satt. Das Aufwärmen nach dem Schifahren, das ewig lange Ausziehen mit den vielen Klamotten hat zwar seinen Reiz, wir vermissten aber die Wärme, wollten auch in der freien Luft wieder mal knuddeln und beschmusen und nicht erst Schicht um Schicht durchwühlen eh man die geliebte Haut des anderen finden konnte.
So flog letzten Freitag Anja die Treppe herauf, wedelte mit einem Stück Papier durch die Luft: "Pack, Liebster, wir fahren nach Venedig!" Wie ? Wann? Wieso? All meine ungläubigen und dummen Fragen wurden mit einem Kuss noch im Munde gestoppt: "Pack! Und zwar sofort!" Da half kein anmerkendes auch zu Wort kommen wollen. Sie stürmte ins Schlafzimmer und nach 15 Minuten waren zumindest ihre Sachen in einer Reisetasche verpackt. Sie erzählte während des aus dem Schrank herausreißens und in die Tasche stopfens, dass sie in einem Reisebüro ein Schnäppchen entdeckt hatte, für 160 Euro ein Doppelzimmer in einem kleinen Hotel in der Nähe des Bahnhofs, gleich beim neuen Ghetto. Wir müssten aber sofort los, ich wüsste doch der Brenner und so, und ich solle mich doch endlich bewegen, jetzt mach doch, bitte !!
Es war das erste Mal, dass ich mit meinen wenigen Sachen wesentlich später am Auto war, als Anja. Als ich mich dann hinter das Lenkrad geklemmt hatte, immer noch ganz verstört, umarmte sie mich mit Heftigkeit und Wärme, wie ich es so sehr an ihr liebe. Sie meinte, dass es toll sei, sie schenke mir die Reise, ich soll nur fahren, sie umarmte mich, schlüpfte mit ihrer Hand unter mein Hemd, zwirbelte leicht meine Brustwarzen und packte liebevoll mein Brusthaar: "Wirst sehen, es wird unsere absolute Liebesreise", strich sacht absichtlich unabsichtlich mit dem Handrücken über meinen Schoß, und meinte, ich solle doch nun fahren, sonst würde die Tiefgarage hier noch zum Liebesnest. Nun, das wollte ich nun doch nicht, das hatten wir schon mal.
Die Fahrt von München nach Venedig ist leicht, abwechslungsreich, der Brenner empfängt uns wie immer mit den ersten Ahnungen, dass hinter den Bergen das Leben anders ist. Nach 6 Stunden waren wir dort, das Auto sicher - und teuer - geparkt, das Vaporetto tuckert in den Nebenkanal; das Hotel mit dem lustigen Namen pazzi ponti (verrückter Punkt) ist rasch gefunden.
Sonst, wenn wir in den Urlaub fahren ist es das Erste, dass wir das Bett ausprobieren, es liebend von oben nach unten durchwühlen, dann das Bad erkunden, ausprobieren ob die Badewanne auch unsere Wellenschläge aushält. Nun war das anders, wir stellten nur unsere Sachen ab, duschten und schlenderten zum Markusplatz.
Es war auffallend still, wir waren nicht zum ersten Mal in Venedig und kannten die Stadt eigentlich als laute, völlig sich dem Fremdenverkehr ergebenen Ort. Heute war das anders. Geschmückte, maskierte Gestalten huschten durch die Gassen, ganz still, man sprach gedämpft, schaute hinter den Masken drein und bewunderte die Schönheit des Verbergens. Am Markus-platz angekommen schlägt der Trubel innerhalb weniger Meter entgegen, und doch, es ist leise. Ehrfurchtsvoll teilt sich die Menge, wenn ein maskiertes Paar über den Platz schreitet, stumm, kein Wort wird gesprochen. Ein leises Wort wird gerufen: Un Foto per favore, das Paar bleibt stehen, dreht sich wie in Zeitlupe zum Rufer, Legt die Hände aufeinander wie im Minuett, posiert nach links, nach rechts, dreht sich langsam, schreitet 2, 3 Schritte, und wie von selbst öffnet sich eine Gasse um die fragilen Geschöpfe den Weg zu den Anlegestellen der Gondeln frei zu machen.
Beim Café gegenüber dem Dogenpalast liegt an einer Säule ein schwarze Gestalt, sie kauert in ihrem schwarzen Tuch, mit der schwarzen Maske und Haube sieht sie bekümmert aus, sie ruht sich aus, müde blicken die Augen hinter der Maske hervor, dankt den erfurchtsvollen Blicken.
Anja ist ganz still geworden, zupft nur ab und zu mich am Arm, hält meine Hand wie ein Kind, das vor Staunen Halt sucht, "schau" sagt sie leise, "schau, wie schön". Am Anlegeplatz der Gondoliere steht auf einem Brett eine wundervolle Gestalt, voll Federn von unten bis oben, ein Kopfschmuck der fast die Hälfte der ganzen Figur nimmt; einer Statue gleich steht sie und lässt sich bewundern, dreht langsam die Hände, jede Bewegung der Finger wird zum Kunstwerk. Die untergehende Sonne malt ein helles Rot auf die goldene Gesichtsmaske, während sie die Arme ausbreitet und wie ein Paradiesvogel scheinbar über dem Wasser schwebt.
Wie verzauberte Kinder schleichen wir über den Markusplatz zurück in das Gewimmel der Gassen und Gässchen, als wir ohne uns abzusprechen vor einem kleinen Maskenverkauf stehen bleiben. "Mein liebster Pagliacco, komm lass uns verkleiden!" Freundlich und sachkundig verwandelten wir uns in eine "popolata di baute" und in einen "cavaliere" mit silberner Gesichtsmaske. Als wir uns im Spiegel sehen erstarren wir; hochherrschaftlich sehen wir aus und trotzdem entschwebt von jeglicher Realität, unantastbar, ausserhalb allen Regeln. Der Händler regelt gekonnt, dass unsere Sachen zum Hotel zurück gebracht werden und wir gehen, was heißt gehen, schreiten zurück zur Piazza.
Es war dunkel geworden, die Lichter fluten über den Platz, Musik drang aus den Cafes und Restaurants. Ich wollte gerne zu meinem alten Cafe am Teatro la Fenice, wenige Schritte hinterm Markusplatz, dort war ich als Student mal untergebracht, hatte mühselig die ersten italienischen Sprachschritte erstolpert. Unter den Arkaden zupfte mich Anja am Ärmel und deutet in das leicht Dunkle. Es war deutlich zu sehen, hinter eine Säule war ein Pärchen, das sich liebkoste, in wunderschöner Maske von Federwesen umarmten sie sich streichelten sich über die Federn, vorsichtig und ganz langsam. Sie saßen, fast lagen sie, hinter einer Säule und wie in einem Marionettentheater besuchten sie sich nur mit den Händen. Die Gesichter waren völlig mit der Maske bedeckt, nur die Augen ruhten aneinander. Die Hände glitten aneinander über die Maske, dem Hals, der sich aus dem Federkleid hervorreckte, über das Kleid und ab und zu fanden sie den Eingang unter das Federkleid, legten sich Hände auf die Brüste der Frau, ihre Hände fanden sich zu seinem Schoß, wo sie kräftig drückten und fündig wurden.
Wir gingen langsam auf das immer mehr in Lust und Sinnlichkeit sich ergehende Paar zu; sie mussten uns sehen, blieben aber hinter der Säule und ihre Handsuchbewegungen wurden immer eindeutiger, wilder. Man hörte wie sie unter ihren Masken heftig atmeten, leicht stöhnende Laute von sich gaben, wenn die Hände des anderen die Erregung weiter anfachte. Wir sahen uns an und stellten uns um das Paar, schirmten sie mit unserer Maske ab, ich vermeinte Dankbarkeit aus den Augen hinter den Masken zu lesen als sie in ihrer Umarmung nun freier wurden und hastig und doch liebevoll den Verschluß an der Seite der Gewänder fanden. Beide tauchten mit ihren Armen in die Gewänder, umarmten und streichelten sich unter den Federn.
In unserer Abschirmung beschenkten sich beide mit heftigem Streicheln, die Hände bewegten sich schneller und man sah, dass beide sich mit den Lustzentren beschäftigten, unterdrückte Laute ausstießen und sich fast gurgelnd aneinander festkrallten um langsam vor unsere Füße zu sinken, immer noch die Hände unter der Maske des anderen vergraben. Sie lehnten sich in ihrer Lust an uns an, wir konnten eigentlich kaum noch erahnen, wer hier Mann oder Frau war, oder waren es zwei Männer oder zwei Frauen? Sie lehnten sich an uns an um sich zu erholen, umarmt kuschelten sie sich an uns blickten uns durch ihre Masken wissen an, sprachen kein Wort. Sie nickten uns leise zu und wie verabredet drehten sie sich zu uns und begannen uns zu streicheln, zu umarmen, über unsere Kleider, über die Maske.
Leicht bliesen sie durch die Augenschlitze als wollten sie Küsse hinter die Maske blasen und suchten zart aber eindeutig die Eingänge zu unseren Gewändern. Mein als Pelerine geschnittenes Gewand wurde plötzlich Vorhang unter dem sich einer der Vögel versteckte und unter dem weiten gürtellosem Kleid von Anja verschwand der zweite Vogel. Anja und ich wir umarmten uns als wir spürten wie unter unserer Maskerade die beiden Vögel unsere Lustpforten und -tempel öffneten, die Vögel sich ihrer Gesichtsmasken entledigten und mit wunderschönem Saugen und Knabbern unsere Umhänge zu Liebeslauben verwandelten. Anfänglich war ich ängstlich in all dem Treiben als liebendes Paar erkannt zu werden und Aufruhr zu erwecken. Man braucht nicht viel Fantasie um zu erkennen was unter dem sich heftig umarmenden Paar geschah. Unsere Umhänge bedeckten die beiden höchstens zur Hälfte. Wir konnten kaum noch stehen, so umwallte uns die Lust, ich spürte wie meine gewaltiger Stachel umfangen wurde von einem Mund, der sich darüber stülpte, wie wissende Hände streichelten und rieben, drückten und die letzten Tropfen meiner Lustspeise hervorzauberten, die sich geschoßartig in den Mund des Zaubervogels entlud.
Ich spürte, wie Lippen und Zunge sich verabschiedeten, mich trockneten, verpackten, beruhigend streichelten und nach einiger Zeit tauchte das maskierte Gesicht unter meinem Umhang auf, umarmte mich, streichelte leicht den Rücken seines Kumpanes, der noch immer unter den Weiten Mengen des Stoffes von Anja versteckt war. Sie hing völlig entspannt in meinen Armen, stammelte hinter ihrer Maske nur hervor, "Halt mich fest , das ist der Wahnsinn, sie krallte sich in meine Schulter und ich spürte wie sie vor Lust geschüttelt wurde. Sie tat mir fast weh, so klammerte sie sich an, als ebenso aus ihrem Umhang der maskierte Vogel auftauchte, sie streichelte. Wir umarmten uns alle vier innig, und wie von Zauberhand entschwanden die beiden Vögel in der Menge, leicht zurückwinkend.
Mit zitternden Knien standen wir unter den Arkaden schauten uns an, hoben die Maske an und küssten uns innig. "Du, was war das denn?" fragten nur die Augen und beim stillen durch die Menge fluten fragte Anja leise: Meinst wir können heute noch mal fliegen? Ich hab noch ein paar wunderschöne Federn von den Vögeln". Wir lachten und schlenderten versonnen zu unserem "verrückten Platz", wir wissen bis heute nicht, waren es nun Mann und Frau, oder 2 Männer oder 2 Frauen, oder alles gleichzeitig?
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