Er war in die Stadt gekommen um seiner Trauer zu entfliehen. An seinem alten
Wohnort hatte alles an "sie" erinnert und an die 20 gemeinsamen Jahre.
Zum Glück wurden Ingenieure wieder gesucht und er hatte mit Ende 40 noch
einmal neu angefangen. Und der Anfang war ganz gut gelungen. Gemeinsam mit
seiner Kollegin Eva bearbeitete er Projekte. Auch sie war allein und war wie
er bereit den Feierabend zu vergessen, wenn es darum ging, Probleme zu lösen
und dringende Dinge zu Ende zu führen. Eva war Anfang 40 und er hatte sie
nie danach gefragt, warum sie allein lebte. Ihre Gespräche bezogen sich auf
die Arbeit und die Ausbildung. Die Vergangenheit wollte, ja konnte er nicht
ansprechen und seine Trauer umgab ihn wie ein Eisnebel des Winters, der die
Stadt unter einer Schneedecke zu ersticken schien.
Deshalb überraschte die Einladung ihn so sehr. Evas Bruder war Kunstmaler
und er wurde in Rahmen eines festlichen Banketts geehrt. Eva war dazu
eingeladen und mit ihr ein Begleiter ihrer Wahl. Und sie hatte ihn
ausgewählt. Er sagt zu, und zwei Tage später war er im dunklen Anzug
unterwegs zum Stadtschloss, in dessen Räumen der Empfang stattfand. Als er
aus dem Taxi stieg trat er in eine große Pfütze und Eiswasser schwappte in
seinen Schuh. "Mist, Tauwetter", dachte er, "jetzt wird aus der weißen
Pracht grauer Matsch." Eva erwartete ihn an der Treppe, keine Zeit mehr
irgendetwas gegen nasse Füße zu unternehmen. Sie zeigten ihre Einladung und
wurden zu ihrem Platz geführt.
Während des Essens erzählte Eva von ihren Bruder, von den monumentalen
farbenfrohen Bildern und wie sehr er die Auszeichnung verdiente. Er hörte
ihr zu, aber sein Blick wanderte immer wieder zu der atemberaubenden
Schönheit, die ihm direkt gegenüber saß. Da hockt er nun, mit Wasser in den
Schuhen und nasse Socken. Vorsichtig zog er dem Schuh aus. Als er seinen Fuß
ausstreckte, trafen seine Zehen auf einen anderen Fuß, auch ohne Schuhe und
als er seinen Kopf hob, blickte er in ein Gesicht mit dunklen traurigen
Augen unter braunen Locken mit einem sinnlichen Mund. Ihre Blicke trafen
sich und ein Schlag wie ein Blitz ging durch seinen Kör-per. Ihre Zehen
schoben sich auf seinen Fuß, massierten seine und er merkte, wie es seinen
Körper erregte. Der fremde Fuß fuhr an der Innenseite seines Beins herauf,
den Oberschenkel entlang. Die Zehen suchten und fanden sein Glied unter der
Hose und begannen mit einer Massage. Unwillkürlich suchte auch sein Fuß das
zweite Bein der unbekannten Schönen und wanderte langsam nach oben. Als
seine Zehen ihr Ziel gefunden hatten, hielt er einen Augenblick inne. Ihre
Blicke trafen sich erneut und eine tiefe Sehnsucht lag in ihren Augen. Seine
Zehen kreisten im gleichen Rhythmus wie ihre. Die Erregung nahm mehr und
mehr zu. Dann, ganz langsam zog sich der Fuß zurück. Ihre Augen ließen ihn
schmelzen. Sie flüsterte etwas ihren Begleiter ins Ohr, erhob sich und
verließ mit schwingenden Hüften den Raum. Wie Eisenspäne zu einem Magneten
so fühlte er sich zu ihr hingezogen. Er entschuldigte sich bei Eva und
verließ den Raum in gleicher Richtung.
Sie erwartete ihn, nahm ihn bei der Hand und zog ihn mit sich in einen Gang.
Der Gang war mit Messingständern und einer dicken roten Seidenkordel
versperrt. Sie stellte eine der Stützen etwas zur Seite und führte ihn
weiter, bog ab in einen Seitengang, öffnet eine Tür. Sie betraten einen
Raum, der nur von den Straßenlaternen schwach beleuchtet war. Tische an den
Wänden, einige unterschiedliche Stühle und ein abgedeckter Flügel in der
Mitte des Raums. "Hallo, schöner Fremder mit dem traurig romantischen
Augen," hauchte sie ihm entgegen und als er antworten wollte, legte sie ihm
ihren Zeigefinger auf den Mund.
Sie zog in ganz in den Raum, schloss die Tür
und schob einen Stuhl unter die Türklinke. Unvermittelt presste sie sich an
ihm, ihre Lippen suchten seine und ihre Zunge drang in seinen Mund. Ihre
Finger glitten unter sein Jackett, zogen sein Hemd hoch und er spürte ihre
Nägel auf seinem nackten Rücken. Er fasste mit der rechten Hand ihren Nacken
und ließ die linke Hand ihren Rücken hinab gleiten. Seine Hand zog ihr
Becken an seins und sie begann mit einer kreisenden Bewegung. Mit einer
geschickten Drehung löste sie sich aus seinen Armen. An seiner Krawatte
führte sie in den Raum und lehnte sich in die Rundung des Flügels. Seine
Hände griffen ihren Rocksaum, den er langsam nach oben zog. Sein Blick fiel
auf die gut geformten Beine in halterlosen Strümpfen und ein champagner-
farbenes Seidenhöschen. Ihre Zungen trafen sich und ihre Hände glitten über
seine Hose um sie zu öffnen. Wie nach langer Gefangenschaft bereit sprang
sein Penis aus der Hose, den sie mit beiden Händen umfasste und zärtlich
strei-chelte. Seine Hände lagen auf ihren Pobacken und mit leichtem Schwung
kam ihr Becken seinem entgegen. Ihre Beine verließen den Boden - umschlangen
seine Hüfte und durch die Beinöffnung ihres Höschens suchte und fand sein
Glied das Ziel seiner Begierde.
Langsam, unendlich langsam begannen ihre
Körper das Zusammenspiel, das im Programm jeder Zelle zu stecken scheint und
die Lust steigert bis zur Ekstase. Schneller und heftiger wurde ihr Atem und
ihre Bewegungen bis zu dem Punkt, an dem sich mit einem Mal all sein
Spannung entlud und er mit einem tiefen Stöhnen alles, was er in der Zeit
seiner einsamen Enthaltsamkeit aufgestaut hatte, entlud. Ihr Körper nahm
zitternd den Impuls seines Orgasmus auf und die Schreie ihrer Lust hallten
in dem kahlen Raum wieder, verstärkten sich und ließen auch ihn erneut
erzittern. Still lagen sie sich danach in den Armen .Sekunden - oder
Stunden...wer kann Zeit in diesen Momenten ermessen.
Dann wie in Trance löste er sich von ihr. "Wer bist du? - Kann ich dich
wiedersehen?", stammelte er. "Ich bin nur ein kleines wildes Vögelchen,"
antwortete sie, "mein goldener Käfig stand heute einen Spalt breit offen und
deine Traurigkeit hat mich angerührt. - Nein, wiedersehen werden wir uns
bestimmt nicht." Sie zog schnell ihr Kleid zu Recht "Gib mir 10 Minuten
bevor du folgst," bat sie ihn und gab ihn zum Abschied noch eine heißen
leidenschaftlichen Kuss.
Als er in den Saal zurückkam, waren die Reden vorbei und auch die unbekannte
Schöne war verschwunden. Eva kam mit einem Sektglas auf ihn zu und lächelte
ihn an. "Du bist ein schöner Begleiter. Wenn der langweilige Teil kommt,
lässt du mich im Stich und verdrückst dich an die Bar." Er erzählte von
seinem nassen Schuh und gab vor, während den Ansprachen Socken und Schuh in
der Toilette unter den Handtrockner in Ordnung gebracht zu haben. Sie
besorgte ihm ein Glas Sekt. " Komm", forderte sie ihn auf, " jetzt musst du
erst einmal meinen Bruder kennen lernen." Der Kunstmaler erwies sich als
kleiner unscheinbarer Mann, so farblos, dass seine großflächigen farbigen
Bilder der absolute Kontrast zu seiner Erscheinung waren. Sie blieben noch
eine Stunde und so sehr er auch umher spähte, die unbekannte Schöne blieb
verschwunden.
Da sie beide in die gleiche Richtung mussten, nahmen sie sich gemeinsam ein
Taxi. Vor ihrer Haustür gaben sie sich zum Abschied die Hand. " Na" fragte
Eva, "ich hoffe du hast dich heute Abend nicht all zu sehr gelang-weilt." -
"Ganz im Gegenteil," war seine Antwort, "ich habe heute eine sehr
interessante Frau kennen gelernt". Er sah in der Dunkelheit nicht, dass sie
leicht errötete, spürte nur, dass ihr Händeruck ein wenig fester wurde. Sie
ließ sein Hand los, hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und glitt schnell
aus dem Wagen.
Erst als das Taxi anfuhr, wurde ihm bewusst, dass sie das Kompliment
natürlich auf sich bezogen hatte. In dieser Nacht fand er keinen Schlaf.
Das Frühstück bestand aus Kaffee und der Tageszeitung. Hastig und
unkonzen-triert blätterte er darin herum. Der Lokalteil berichtet von dem
Empfang, sogar mit einem Bild. Es zeigte die unbekannte Schöne, wie sie das
Schloss verließ. Der Untertitel lautete "Unerwarteter Prominentenbesuch bei
der Ehrung im Stadtschloss". Da wusste er, dass er sie wirklich nicht
wiedersehen würde. Und erneut zog der Schmerz des Verlustes in sein Herz.
Aber dieses Mal war es nicht der kalte Schmerz, der eine groß Leere
hinter-ließ, es war der Schmerz, der eine Sehnsucht nach Nähe und
Zärtlichkeit, nach Geborgenheit und Berührung aufkeimen lässt. Er ließ den
Kaffe stehen und die Zeitung liegen und floh aus der Wohnung ins Büro.
Als er die Bürotür öffnete, saß Eva bereits an ihrem Schreibtisch, vor sich
einer Tasse dampfenden Tee. Ihr Lächeln glich einem Sonnenaufgang - und auf
einmal sah er etwas anders als dass, was er sonst an jedem Morgen sah. Da
saß nicht die verlässliche Kollegin mit dem scharfen Verstand, nicht eine
Ingenieurin, die Problem anpacken und schnell und exakt zu lösen wusste. Da
saß eine Frau mit strahlenden Augen, einer wunderbar niedlichen Nase und
einem sinnlichen vielleicht ein wenig zu breit geratenen Mund, der immer zum
Lächeln bereit war. Durch das halb offen Fenster kann ein Luftzug, der ihn
aufblicken ließ. Von den Ästen der Plantane auf der gegenüberliegenden
Straßenseite rutschte der Schnee in großen Stücken ab und fiel zu Boden. Und
er fühlte es tief im innerstersten: Auch wenn noch eine Menge Eis tauen
muss, der Frühling hat den Winter endgültig besiegt.
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